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17.12.2010 15:02 Alter: 1 yrs

SCHEUERLE STB 1000: Eine Jungfernfahrt voller Rekorde - 870 Tonnen Stahl auf der Straße

 

Im Dezember 2009 beauftragte die Multilift Gruppe den Spezialfahrzeughersteller SCHEUERLE mit dem Bau einer Seitenträgerbrücke der Superlative. Für den Transport von immer größer werdenden Generatoren und Transformatoren wurde die weltweit größte Seitenträgerbrücke mit bis zu 620 Tonnen Nutzlast innerhalb von kürzester Zeit konstruiert und gebaut. Im November / Dezember 2010 konnte die Multilift Gruppe mit der STB 1000 das erste Großprojekt verwirklichen: Die Überführung des größten von Siemens gebauten Transformators von Nürnberg nach Wilhelmshaven. Mit 870 Tonnen Gesamtgewicht war dies der größte in Wilhelmshaven durchgeführte Schwertransport aller Zeiten.

12. November 2010: 1. Einsatz der STB 1000 - Transportbeginn am Siemens Trafowerk in Nürnberg.

Nächster Morgen, 13. Nov. am Nürnberger Hafen...

Es galt 2 kritische Einmündungen zu meistern.

06. Dezember 2010 in Wilhelmshaven, Abzweigung Ölhafendamm in Richtung Mühlenweg.

Der erste Teil des Transports mit der SCHEUERLE Seitenträgerbrücke hat die Multilift Gruppe am 12. und 13. November durchgeführt. Im Siemens Trafo-Werk in Nürnberg wurde der bis dato größte von Siemens gefertigte, 495 Tonnen schwere Maschinen-Transformator des Typs TRPM9056 für die Firma Tractebel Engineering – eine Tochtergesellschaft der GDF SUEZ Gruppe – zwischen die Seitenträger, welche auf  2 x 14 Achsen SCHEUERLE InterCombi befestigt sind, eingespannt. Die Beförderung aus der Siemens Werkshalle konnte aufgrund von Platzmangel nur über die zusätzlich angekuppelten InterCombi PowerBooster erfolgen. Durch den Schub der PowerBooster Einheiten war eine Schubmaschinen nicht notwendig. Der Transport konnte daraufhin pünktlich um 22:00 Uhr beginnen. Im Schritttempo rollte die ca. 100 Meter lange Kombination über die Schwerlastroute bis zum Nürnberger Hafen. Im Beisein unzähliger Zuschauer und in Begleitung zahlreicher Polizei-Fahrzeuge galt es dabei 2 kritische Einmündungen zu meistern. Nach 8 Kilometern, welche in einer 4,5-stündigen Fahrt vollzogen wurden,  erreichte der Schwertransport den Nürnberger Schwerlastkai.

Am nächsten Samstagmorgen hieß es für die 13 m lange, 4,40 m breite und 5,30 m hohe Ladung „Roll on“ auf ein Ponton. Eine Geduldsprobe im wahrsten Sinne des Wortes, denn wenn pro Achslinie 24 Tonnen auf ein Ponton rollen, muss natürlich immer wieder Ballastwasser abgelassen werden. Über den Rhein-Main-Donaukanal fuhr das Ponton dann nach Dordrecht und Delfzijl in Holland. Danach ging es, nach sturmbedingten Verzögerungen, weiter über die Nordsee bis nach Wilhelmshaven.

Eine Begegnung der besonderen Art in Wilhelmshaven
Montag, 06. Dezember 2010: Am Lünebergkai in Wilhelmshaven wurde der Transformator wieder mit den Seitenträgern der STB 1000 aufgenommen. Die Last verteilte sich jedoch diesmal auf 2 x 20 Achsen InterCombi. Eingekuppelt war ein 4 Achs InterCombi PowerBooster, welcher mit zusätzlichen Antriebsachsen ausgestattet ist und mit 147 kW für ausreichend Schub sorgen sollte sobald die Zugmaschinen nicht mehr ausreichten. Als Zug- Schubmaschinen kamen 2 MAN TGX41.680 mit jeweils 500 kW zum Einsatz. Die Dimensionen dieser Gesamtkombination sprechen für sich: Der insgesamt 102 m lange, 5,50 m hohe und 4,40 m breite Transport stand fahrbereit für die Reise durch die Wilhelmshavener Innenstadt.

In Begleitung zahlreicher Einsatzkräfte der Polizei und trotz starkem Nebel begann die Fahrt über Friesendamm, Ölhafendamm, Mühlenweg, Gökerstraße, Freiligrathstraße bis zur Preußenstraße. In Höhe der Autobahnbrücke, welche auf Grund der Größe des Transports nicht unterfahren werden konnte, musste der Schwertransport über die Autobahn geleitet werden. Mit Hilfe von Rampen und Platten überfuhr der Zug die Mittelinsel der Preußenstraße, gelangte auf die Autobahn, passierte – nach abmontierter Mittelleitplanke – die Fahrbahn als „Geisterfahrer“ im Gegenverkehr und fuhr anschließend die Auffahrt wieder hinunter auf die Preußenstraße. Für diese Aktion musste die Autobahn 29 beidseitig bis in die frühen Morgenstunden gesperrt werden. Weiter ging es bis zur Kniprodestraße, von dort zur Flutstraße bis zur Posener Straße, über die Eisenbahnbrücke zum Infocenter des Jade-Weser-Port bis zum Ziel, dem Steinkohlekraftwerk in Wilhelmshaven. Dieser spektakuläre Schwertransport, welcher in dieser Nacht eine Strecke von 13 km zurückgelegt hat, brachte ein Gesamtgewicht von 870 Tonnen auf die Waage und geht damit in die Stadtgeschichte Wilhelmshavens als größter durchgeführter Transport ein. Eine Meisterleistung für Mensch und Maschine!

Zur Technik der STB 1000
Die Seitenträgerbrücke des Typs STB 1000 verfügt über mehrere Optionen zur Aufnahme von Generatoren und Transformatoren. In Verbindung mit dem Hauptträger wird die Ladung mit Konsolen auf dem Obergurt abgelegt. Alternativ kann die Aufnahme der Ladung über ein zusätzliches Lastgehänge mit Querträgern erfolgen. Das Ladegut kann aber auch ganz ohne die Hauptträger direkt an die Tragschnäbel gekuppelt werden. Außerdem ist sie in der Lage durch zusätzliche Stützfahrwerke die Ladung ohne Kranhilfe aufzunehmen und wieder abzustellen. Flexible Einsatzmöglichkeit bietet die Brücke mit einer Spannweite von 38.220 mm bis zu 47.220 mm Länge – angepasst an die erforderliche Achslinienanzahl der Plattformwagen-Kombination und an die Größe der Ladung. Die Ladebreite der Seitenträgerbrücke kann stufenlos von 2.000 mm bis zu 5.200 mm eingestellt werden, und sich somit der Breite des Ladeguts anpassen. Der Vertikal-Hub der Brücke im Bereich der Lastaufnahme beträgt 1.600 mm. Flexibel, aber nicht nur was Größe betrifft: Die SCHEUERLE STB 1000 kann Generatoren, Transformatoren sowie andere Ladegüter bis zu 620 Tonnen Gewicht aufnehmen und bewegen und ist damit weltweit unübertroffen.

Die SCHEUERLE STB 1000 ist kompatibel mit der SCHEUERLE InterCombi Serie sowie den selbstangetriebenen Modulfahrzeugen (SPMT). Diese können je nach Bedarf mit bis zu jeweils 2 x 20 Achslinien und in 2-, 3-, und 4-file Ausführung zusammengekuppelt werden. Zusätzlich können die eingesetzten Plattformwagen-Kombinationen mit 1 x 4-achs InterCombi Power Booster ausgerüstet werden, um bei Steigungsstrecken – sowohl innerbetrieblich als auch auf öffentlichen Straßen – die Anzahl der Zug- / Schubmaschinen reduzieren zu können. Optional kann der Antrieb der Gesamtkombination auch durch die InterCombi Power Booster Einheiten erfolgen, um das Kombinations-Gesamtgewicht zu reduzieren, was z. B. bei Brückenüberfahrten von Vorteil ist.

Um einen sicheren Transportablauf zu garantieren, stehen dem Bedienpersonal 2 beheizbare Hightech Kabinen für jeweils 2 Personen zur Verfügung. Innerhalb der geräumigen Kabinen befinden sich Bildschirme, über welche, mittels auf die beiden Hauptträger gerichteten Kameras, stetig das Verhalten der Ladung während des Transports überwacht werden kann. Die breiteste Stelle der Gesamtkombination ist somit ständig in direktem Blickfeld.

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